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Meine Liebste erzählt mir von einer Reportage die sie kürzlich gesehen hat. Ging um junge Menschen wie wir, so um die 30, die der Nostalgie verfallen sind. Schmeißen ihren Job in der City und ziehen auf’s Land, um so ursprünglich zu leben wie die Eltern damals. Plausch mit em Nachbarn, Brötchen beim Bäcker. Sowas.

Ist in den USA gerade im Kommen, diese Nostalgiewelle. Somit auch demnächst ganz groß bei uns. Haben sie in der Reportage gesagt.

Und weil man ja, wenn man mal auf ein Thema angespitzt ist, gleich an allen Ecken entsprechende Indizien erkennt, ist uns der Trend auch gleich aufgefallen.

Beweisstück A-1: In Freiburg in der Markthalle. Massenweise unterschiedliche Leckereien zum Essen. Currys, Italienisches, Südamerikanisches, Fisch und was-weiß-ich-was-noch. Aber wir: greifen zum badisch Deftigen. Obwohl das sonst gar nicht so unser Fall ist. Aber jetzt und hier: Darf es doch schon gute Hausmannskost sein – und ich erwische mich, wie ich darüber sinniere, worin der Unterschied der hießigen Bratkartoffel-Zubereitung zu jener meiner Großmutter wohl liegt.

Beweisstück A-2: Der Badische Stand in der Markthalle. Mann um die 40 kocht, Frau um die 40 bedient Essen, Frau um die 60 steht am Tresen. Meine sofortige von Nostalgie geschwängerte Vermutung: Familienunternehmen. Ehepaar mit Mutter (Schwiegermutter) stemmt gemeinsam den Laden hier. Die jüngere Bedienung in einen zwanglosen Plausch verwickelt stelle ich fest: die drei sind nicht miteinander verwandt, noch nicht einmal befreundet. Schnöde Angestellte. Nix Familientradition.

Beweisstück B: Kneipe „Legère“ wirbt mit Frühstück (Kafee, Rühreier und Brötchen) für 2,90 Euro. Bekommst du in Heidelberg gerade mal einen Kaffee für, denke ich. Und lese den Werbeslogan des Lokals: Essen und trinken zu Preisen wie damals“. Nachtigall, Nachtigall!

Beweisstück C: Zwischenstopp in Überlingen am Bodensee. Sind schockiert. Der Altersdurchschnitt der Besucher sinkt um Jahrzehnte – allein aufgrund unserer Anwesenheit. Urlauben wie Mutti und Opi? Das wäre dann doch deutlich zu viel Nostalgie.