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Erstaunlich, dass man manchmal 20 Jahre braucht, um seine alten Minderwertigkeitskomplexe aufzuarbeiten. Da sage mal noch einer, Freud hätte den Schuss nicht gehört. Bei mir jedenfalls ist heute Nachmittag der Groschen gefallen. Seit 14.42 Uhr geht es mir besser. Timo Boll saved my life. Und das kam so.

Ich kann Tischtennis nicht leiden. Dachte ich. Und ich weiß auch, woher das kommt. Als junger Mensch haben wir ab und an Tischtennis gespielt. Wahrscheinlich besseres Ping Pong. Gegen den Tobi habe ich mir meist Ausdauerduelle geliefert, weil wir beide etwa gleich stark waren – oder gleich schwach, je nach dem. Gegen Steffen und Flo dagegen – keine Chance.

Timo Boll schaut beim Spiel auch mal gerne ganz genau hin.

Timo Boll schaut beim Spiel gerne auch mal ganz genau hin.

Zwischengedanken: Sollte das der Grund sein, weshalb sowohl Steffen als auch Flo bereits verheiratet sind, Tobi und ich jedoch nicht? Achten Frauen insgeheim,so ganz unterbewusst, darauf, wie gut Mann im Tischtennis ist? Verdammt, da tun sich Abgründe auf, von denen ich noch gar nichts ahnte. Muss ich dringend mal meine Hauspsychologin nach fragen.

Jedenfalls hatte ich keine Chance im Ping Pong und es hat mich tierisch genervt, mich ständig nach dem Ball bücken zu müssen. (Gleiches später beim Badminton.) Ausreichend Ehrgeiz zu entwickeln, um Flo und Steffen zu schlagen, hatte ich dann jedenfalls auch nicht. Daraus entwickelte sich nun eine gehörige Abneigung gegenüber der Sportart. Bis heute Nachmittag.

Timo Boll in seinem Olympia-Finalspiel gegen Ma Lin. Da erzählt der Moderator, Boll sei kürzlich wissenschaftlich vermessen worden. Und dabei kam raus: Der junge Mann hat quasi überirdische Fähigkeiten. Er sieht rund 20 Prozent mehr als normale Menschen. Damit ist auch klar: Da ich kurzsichtig bin, sieht Boll geschätzte 70 Prozent mehr als ich. Und noch mehr.

Er kann die Marke eines Tischtennisballs aus 40 bis 60 Zentimetern erkennen. Haben die Wissenschaftler rausgefunden. Gut. Das kann ich auch. Theoretisch. Wenn ich wüsste, welche Ballmarken im Ping Pong gerade angesagt sind. Freund und Ex-Tischtennis-Gegner Flo könnte mir das sicher sagen – wenn ich ihn anrufen würde – wenn er nicht gerade auf Hochzeitsreise wäre. [Seufz.]

Timo Boll jedenfalls kennt die Marken, erkennt sie – und zwar während des Spiels! Und daran, in welche Richtung und wie schnell sich der schwarze Marken-Aufdruck auf dem Ball bewegt, erkennt Boll den Effet, den Spin, den Drall. Mann-Oh-Mann. Und als der Moderator vorhin das erwähnt hat, ist der Ping-Pong-Minderwertigkeitskomplex von mir abgefallen wie Stein-vom-Herz und Schuppen-von-den-Augen. Klar, dass meine Tischtennis-Karriere endete bevor sie überhaupt begann: Ich kann einfach nicht so schnell gucken. Bin ohnehin eher ein Typ, der lieber erstmal nachdenkt, bevor er ohne Sinn und Verstand einen 40 Millimeter großen Schildkröt oder Rucanor über die Platte haut. Es gibt ja wirklich auch sinnvollere Hobbys.

Bolls Frau [JA! ER IST SEIT 2003 VERHEIRATET!] jedenfalls kommentiert das angeblich extraterrestrische Sehvermögen ihres Ping-Pong-Boys: „Die dreckigen Klamotten daheim auf dem Badboden kann er nicht sehen.“ Fein. Das kann ich auch.

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